Noch so richtig viel Lust… (tt-Blogwichteln)

Ein Beitrag von Karin Klug*

Ja, ja, ja, dieser Blog gefällt mir, spricht mich an…. die neuen Welten des Alters erkunden…. Lust kriegen, das Alter zu leben…. genau das ist es, das mich zunehmend beschäftigt!

ttbw_buttonIm Rahmen einer Blogwichtelaktion des „wortstarken“ Frauennetzwerkes texttreff darf ich nun Sabine Jainskis Blog bewichteln, sprich: ein paar eigene Gedanken zum Thema hier anbringen.

Ich bin 51 Jahre alt. Solange ich jünger war, 10, 20, 30 schien mir das Leben jenseits der 50 unendlich weit weg, nicht greifbar, unvorstellbar. Menschen über 50, gar mit 60 oder 70 waren alt, uralt. Sie sahen anders aus, die Frauen mit toupierten, vom Haarspray fixierten Lockenkopf, in seltsamer, meist dunkler, altertümlicher Kleidung, mehr oder weniger wohlbeleibt, oft mit gebeugtem Rücken. Beliebt auch die Küchenschürze oder sogar das Kopftuch. Falten im Gesicht, falsche Zähne und ein schwerer Gang, mit Stock oder sonstiger Stütze. Die Männer mit mehr oder weniger Haaren am Kopf (mit der grausamen Variante, wenn die einzelnen verbliebenen Haarsträhnen gleichsam als Toupet über den kahlen Kopf gelegt wurden)… alte Menschen, die ihr (arbeitsreiches) Leben gelebt haben, sich nun mehr oder weniger in den Lehnstuhl zurückzogen, ihre Gebrechen pflegten, vor sich hinsiechten und einsam daheim oder im Heim auf ihr Ende warten….

Ein neues Bild vom Altwerden

Ursula Al-Sadoon, Bewohnerin im „Beginenhof“ © S. Jainski

So in etwa mein Bild vom Alter und Altwerden in jungen Jahren. Nicht gerade erbaulich. Im Lauf der Zeit hat sich mein Bild jedoch allmählich gewandelt. Ich habe Frauen und Männer gesehen, kennengelernt, die anders sind, die ihr Alter genießen, eine neue Freiheit, die zu neuen Ufern aufbrechen, nach der Pension einen neuen Lebensabschnitt gestalten oder einen möglichen Pensionsantritt einfach ignorieren, die weiter arbeiten, weiter lernen, sich weiter entwickeln, weiter aktiv sind und sich neues Terrain erobern. Menschen, die sich bester Gesundheit erfreuen, die reisen, auf ihren Körper achten, sich bewegen, Sport treiben, meditieren und Lebensfreude, Weisheit und eine gewisse Gelassenheit ausstrahlen.

Ja, es gibt sie und es werden immer mehr. Gelegentlich merkt man, dass sogar die Werbung schon erkannt hat, dass es hier um eine interessante, vielversprechende Zielgruppe handelt: Menschen, die wissen, was sie wollen und was nicht, die sich nicht mehr mit irgendwas zufrieden geben, die man nicht mehr einfach abschieben kann, sondern die es sich leisten können und wollen, zu reisen, schön zu wohnen, aktiv zu sein, sich selbst und ihre Hobbies und Leidenschaften zu pflegen. Menschen, die nach ihrer Lebensmitte, im Alter und hohen Alter noch mitten im Leben stehen, sich ihrer Qualitäten und Erfahrungen, ihres Wissens und ihrer Weisheit bewusst sind, und das auch gerne weitergeben. Die offen sind und aufgeschlossen und weiterhin dazulernen wollen.

Und die auch anders mit Krankheit und Beschwerden umgehen. Selbstbestimmter, eigenverantwortlich. Die neue Wege von Gesundheit und Heilwerden suchen. Die sich auch von einem gebrechlichen Körper nicht abhalten lassen… die selber nachdenken und ausprobieren, was ihnen hilft und guttut…

Ja, all das hat mir Hoffnung gemacht, Zuversicht gegeben. Plötzlich sind da andere Perspektiven aufgetaucht… so schlimm muss es ja gar nicht sein, es geht auch anders…

Endlich nicht mehr jung sein müssen!

Wie oft habe ich Frauen, die weit älter waren als ich, sagen gehört: Ich möchte nicht mehr jung sein, heute geht es mir endlich richtig gut, ich genieße mein Leben heute mehr denn je… lange habe ich das nicht verstanden, nicht nachvollziehen können. Jetzt, heute, mit 51, weiß ich, was damit gemeint ist: Mein Leben wird immer besser, da ist so viel mehr Klarheit und Ruhe, Wissen und Akzeptieren können, Leichtigkeit, ein sich-freispielen von drückenden Normen und Vorstellungen, viel weniger MUSS und viel mehr LUST auf… noch so richtig viel Lust auf so vieles…

Und ich freue mich unglaublich, wenn ich auf Menschen stoße, die dieses neue Altwerden leben, die Vorbild sind und Modell, die Richtungen aufzeigen und Wege, die vorangehen und aufzeigen: das ist möglich, ja, trau dich, das Beste, das kommt tatsächlich noch…

Ich bin schon sehr gespannt auf die Dokureihe von Sabine Jainski und ich danke ihr, dass sie sich dieses Themas annimmt. Dass sie Menschen portraitiert, die Lust machen auf Alter und Altwerden…

*Karin Klug, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet in Graz/Österreich als Psychologin, Journalistin und Bloggerin (http://www.klug.or.at/psychokram/, http://www.karinklug.at/blog/).


 

Vielen Dank, liebe Karin, für diesen schönen Beitrag! Die anderen Beiträge aus der Blogwichtel-Aktion des großartigen Frauen-Netzwerks texttreff sind hier versammelt. Ich selbst habe Andrea Görschs Wortladen beschenkt: Worte mit Migrationshintergrund.

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